Feste im Jahreslauf


Das Atmen der Erde drückt sich in den Jahreszeiten aus, in die sich in unseren Breitengraden auch den Reigen der christlichen Feste reiht. Und so erfahren die Kinder im Miterleben der Jahreszeiten und dem Feiern der christlichen Jahresfeste eine rhythmische Gliederung; das Alltägliche, Sicherheit verleihende wird freudig unterbrochen von den freudigen Ausnahmen des Feierns. Der christliche Hintergrund ist so verstanden, dass er in keiner Weise konfessionell gebunden ist und offen für Menschen aller Glaubensrichtungen, mit denen wir gerne in Austausch kommen.
 
 
 

Ostern

 
 
Die Feste Ostern, Himmelfahrt und Pfingsten bilden einen Reigen. Sie sind besonders an den Naturkreislauf gebunden, da doch der Ostersonntag sich bestimmt vom Frühlingsvollmond eines jeden Jahres. Sie finden in der Zeit statt, in der die Erde ausatmet, in der wir seelisch sehr nach außen gehen und so sind auch die Bilder, die bei den Festen zum Erleben kommen ganz davon geprägt.

Das Erscheinen des Christus in seinen Verwandlungen vom Menschen Jesu über den Auferstehungsleib und zur Erscheinung bei Himmelfahrt führt uns zu einem tieferen Verständnis Seines Da-Seins und Wirkens in der Welt für den Menschen.

Die Sonne ist ein Symbol für den Christus. Mit Ostern „siegt“ die Sonne über den Frühlingsvollmond und deutet auf die Überwindung des Todes durch Christus‘ Auferstehung. Wie so häufig werden Bilder aus vorchristlicher Zeit verwendet. Hier sind die Eier Symbole der Fruchtbarkeit und der kosmischen Einheit, welche von den Kindern selbstbemalt nach und nach an einen großen Strauß aus Zweigen gehängt werden. 40 Eier zeigen die 40 Tage an, die bis Himmelfahrt vergehen müssen.

Himmelfahrt

 
 
An Himmelfahrt wird der Blick in den Himmel zu den Wolken gelenkt; dies ist die Sphäre, in die Christus aufgefahren ist - „eine Wolke nahm Ihn vor ihren Augen fort“ Schöne Sinnbilder können den Kindern sein, die Pusteblume, die so aufrecht ihre Samen als Stiftekränzchen segelnd in die Welt verstreut, um sich zu vermehren; die Seifenblasen mit ihren überirdischen Farbenglanz, so vielgestaltig und „unfassbar“.

Pfingstfest

 
 
Weitere 10 Tage später wird das Pfingstfest gefeiert. „Fünfzig Tage nach dem Osterfeste waren die Jünger versammelt. In dem Zusammenklang ihrer Gedanken, dem Zusammenströmen ihrer Empfindungen und in den gemeinsam gepflegten religiösen Übungen ereignete sich die Begegnung mit dem Heiligen Geist.“ Es ist eine Gemeinschaft, die sich durch ein gemeinsames Erkenntnisbemühen – nicht durch Sympathie – zusammenfindet, welche die Herabkunft des Heiligen Geistes erfahren darf. „..und es erschienen ihnen Zungen zerteilt, wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeden von ihnen, und sie wurden alle erfüllt von dem heiligen Geist und fingen an, zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen.“

In der Feier werden als Bild für diese Geistesgemeinschaft auf einem runden Tisch so viele weiße Kerzen aufgestellt als Menschen zur Gruppe gehören; sie werden an einer mittigen Kerze entzündet, während man einen lieben Gedanken an einen Menschen schicken kann. Wenn alle Kerzen brennen, hören die Kinder ein passendes Märchen.

Immer wieder taucht die Taube als Sinnbild des Heiligen Geistes auf; wie bei Noah die Taube den Olivenzweig bringt als Zeichen des Friedens, ist sie an Pfingsten auch ein Zeichen für die Verbindung von Himmel und Erde. So werden in der Zeit zuvor viele weiße Täubchen gebastelt, die an einem Zweig „fliegend“ mit nach Hause genommen werden.

Johanni

 
 
Johanni Stimmung

Der Welten Schönheitsglanz,
Er zwinget mich aus Seelentiefen
Des Eigenlebens Götterkräfte
Zum Weltenfluge zu entbinden;
Mich selber zu verlassen,
Vertrauend nur mich suchend
In Weltenlicht und Weltenwärme.
- R. Steiner -


Dieses Fest ist entstanden aus der früheren germanischen Sommersonnwendfeier. Es ist der Sonnenhöhepunkt; Blüten, Bienen, Käfer und Schmetterlinge gibt es in Hülle und Fülle! Jetzt ist die elementarische Welt, die das Pflanzen¬wachstum trägt, am weitesten aus¬gebildet. Was in den physiologischen Prozessen der Pflanzen an Bildekräften wirkt, wurde von unseren Ahnen in Form von Naturgeistern (Undinen, Gnome u.a.) bildhaft wahr¬genommen. Kleine Kinder und besonders begabte Menschen nehmen diesen geistigen Teil der Natur auf diese Weise wahr.

Dieser Tag wurde und wird gerne mit einem lodernden Johannifeuer begangen, denn das Mitgehen des seelischen Erlebnisses mit der Natur ist auf einem Höhepunkt. Das Johannifest wird kurz nach der Sommersonnenwende am 24. Juni - auf den der Geburtstag des hl. Johannes gefeiert. Ein wesentliches Motiv seiner Predigten lautet: „Ändert Euren Sinn, bereitet dem Herrn den Weg!“ Er ist der Rufer, der zur Wendung aufruft. Das äußere, natürliche Wachstum nimmt schon wieder ab; diesem Bogen soll der Mensch aber nicht folgen; in seinem Inneren soll er den Christus wachsen lassen, so mahnt Johannes .

Mit den Kindern wird der sommerliche Höhepunkt zum Erlebnis gebracht mit den Schönheiten der Natur, die vor allem in den Liedern besungen werden ; von der „Vogelhochzeit“, dem „Muttergottesgläschen“ und den „Sonnenkäfern“ erzählen diese.
Am Festtag werden Blumenkränze gebunden und über einem Feuer Stockbrot gebacken. Als Speisen stehen auf den Tischen neben unserem selbstgebackenen Sonnwendbrot der Honig, von dem sich auch Johannes in der Wüste ernährte, neben den leuchtend rote Beeren dieser Jahreszeit. Im Garten wird gesungen, getanzt und gespielt.

Michaelifest

 
 
Seit dem 9. Jahrhundert wird am 29. September in christlichen Gegenden der Michaelstag gefeiert, gefolgt von einer vierwöchigen Festeszeit. Michaeli ist ein Fest, welches bildhaft für Geisteswachheit und Mut steht.

Zum Herbstbeginn, nach der Tag- und Nachtgleiche, feiern wir das Michaelifest mit den Kindern, um ihnen Jahr für Jahr starke aufbauende Bilder mitzugeben für die Herausforderungen heutigen Zeit, die insgesamt ganz im Zeichen des michaelischen Geisteskampfes steht, den wir Erwachsene alle zutiefst erleben. In der Offenbarung des Johannes wird der Streit im Himmel beschreiben, bei dem Sankt Michael mit seinen Heerscharen „… den Drachen, die alte Schlange, die da heißt Teufel und Satan, der die Welt verführt ..“ aus dem Himmel in die Tiefe stürzt. Fortan findet das Wirken der Widersachermächte auf der Erde unter uns Menschen statt, und der Mensch muss nun diesen Kampf im Inneren ausfechten.

Das Bild von Erzengel Michael, der den Drachen besiegt, ist in vielfältiger Weise in der Malerei dargestellt. Der Kampf steht für die Kraft und den Seelenmut, der aufgebracht werden muss, um niederziehende Kräfte wie Feigheit, Egoismus und Unwahrhaftigkeit in ihre Schranken zu weisen. Es zeigt, wie Michael den Drachen „unter seinen Fuß gesetzt“ , aber ihn nicht tötet. Der Sieg ist kein endgültiger, sondern ist ein ständiges Ringen um einen bewussten Umgang mit den Verführungen der Zeit.

Auch das Schwert ist oft in Bildern zu sehen, denn im Moment der Tat braucht es das Schwert, das geistesgegenwärtig das Richtige vom Falschen scheidet. Für die Erwachsenen sind dies Bilder, die aufrufen die niederziehenden Kräfte zu erkennen und in ihre Schranken zu verweisen, sich innerlich zu ordnen, zu klären, die eigenen Ängste und die innere Bequemlichkeit zu bekämpfen und sich etwas zuzumuten.

Die Kinder singen Lieder von Mut und Stärke und sehen das Puppenspiel vom Stierlein, das die Prinzessin erlöst mit Mut, Kraft und Entschiedenheit. Auch der Schmied, der rotglühendes Eisen (im Blut ein wichtiger Träger von Wachheit und Kraft) mit entschiedenen Schlägen zu Schwertern formt, ist ein beliebtes Bild in Liedern und die Kinder bauen sich selber gerne Schwerter in verschiedenen Varianten.

Martinsfest

 
 
„Werden die Tage kurz, werden die Herzen hell…“ heißt ein Spruch, der das Schwinden des äußeren Lichts in eine Beziehung setzt zu dem seelischen Prozess, der sich nun entwickelt. Die längere Dunkelheit fordert uns auf wieder mehr im Inneren das Licht zu suchen. Den schönen Brauch des Laternenfests am Martinstag pflegen wir gerne, indem die Kinder ihr selbstgebasteltes kleines Laternenlicht singend durch das erste Dunkel tragen. In der Martinslegende treten die Motive des Mitgefühls, der Nächstenliebe und des Teilens auf, die wir auch in dem Puppenspiel „Laternenmädchen“ zur Darstellung bringen, was den Kindern an diesem Tag vom Puppenspielkreis geboten wird.

Adventszeit

 
 
Die Kerzen von denen die erste schon in der Martinslaterne entzündet wurde, spielen eine immer größere Rolle in der Adventzeit bis hin zu Weihnachten. Den Beginn der Adventszeit feiern wir mit dem Begehen des Adventgärtlein.

In unserem Saal wird eine Spirale aus Tannengrün, Moos, Edelsteinen, Rosen und Christrosen gelegt. Darin verteilt steht für jedes Kind ein Apfel, in dem eine Kerze steckt. Die Kinder ziehen gemeinsam mit den ErzieherInnen singend in den Raum ein. Eine Kerze in der Mitte des Raumes spendet etwas Licht. Während Adventlieder gesungen werden und Harfenmusik erklingt, geht jedes alleine in die Spirale hinein, nimmt sich eine Apfelkerze, zündet sie an der großen Kerze in der Mitte an und geht seinen Weg - in dieser musikalischen Stille – wieder hinaus; zuvor stellt es die Kerze wieder auf ihren Platz zurück und so erhellt und erwärmt sich nach und nach der Raum, mit jeder entzündeten Kerze mehr. Das Begehen der Spirale ist uns ein Wahrbild für das Suchen des Lichtes auf dem Lebensweg, das Finden des Lichts im eigenen Innern und endlich auch des Abgebens des Lichtes, wenn es den ganzen Raum für Alle erhellt.

Dies ist im Kindergarten der Beginn der Adventszeit, die wir versuchen mit viel Ruhe und Besinnlichkeit zu gestalten. Das ist heute umso wichtiger, als dass diese Zeit durch das Getriebe der Geschenkeindustrie den Charakter einer Vorbereitung auf Weihnachten verliert.

Im Gruppenraum sehen die Kinder Maria, Josef und das Eselchen, wie sie einen langen gewundenen Weg zur Krippe gehen. Täglich kommen sie ein Stück voran. Nach der täglichen Geschichte dazu darf je ein Kind die Figuren etwas mehr zur Krippe hinstellen.

In diese Zeit fällt das Nikolausfest, dessen Tradition wir aufgreifen mit dem Bild des hl. Nikolaus, der den Kindern kleine Gaben bringt. In den Legenden wird deutlich, dass Nikolaus den notleidenden Menschen unverhofft und aus dem Verborgenen heraus hilft. Über Nacht kommt er, bringt den „zugebundenen“ Sack oder die Gaben sind in den Schuhen der Kinder morgens zu finden; Schuhe als Sinnbild für den physischen ganz individuellen Lebensweg. Sankt Nikolaus stärkt Leib und Seele mit Äpfeln, Nüssen und der Saat für den Osterweizen einerseits und ein kleines Geschenk zum Spielen andererseits.

Weihnachten

 
 
Das Weihnachtsfest selber fällt immer in die längere Winterschließzeit und bleibt ganz den Familien überlassen. Auch die kleine Abschlussfeier kurz vor den Weihnachtstagen verbleibt noch mehr im Charakter der Vorbereitung. Das Backen von Weihnachtsplätzchen und das Ziehen von Bienenwachskerzen verbreitet erst den Geschmack und Geruch von Weihnachten. Mit der Zeit kann im täglichen Reigen aber ein Krippenspiel entstehen, das am letzten Kindergartentag gerne aufgeführt wird.

Drei-Königsfest

 
 
Nachdem das Bild der Hirtenkrippe in den Weihnachtstagen vor der Seele gestanden hat, wird den Kindern im Kindergarten zum Dreikönigstag ergänzend eine weiteres geboten; sie finden eine sehr veränderte Krippe vor. Während die Hirten das physische Jesuskindlein wahrgenommen haben, deutet das veränderte Krippenbild aus dem Matthäusevangelium eine andere Art der Wahrnehmung an. Es müssen drei Eingeweihte gewesen sein, die über jede räumliche Entfernung hinweg eine große Seele wahrnehmen – im Bild eines Sternes - und dieser Offenbarung folgen. In vielen Gegenden und Religionen ist dieser Tag der wichtigste des Jahres. Die Epiphanie (Erscheinung) ist eine, die über Jesus hinaus, den Christus und seine Wiederkunft in der Zukunft schon vorwegnimmt.

Diese Weisen aus dem Morgenland wurden seit dem 3.Jahrhundert als Könige bezeichnet und erhielten im 6.Jahrhundert erstmals ihre Namen. Einer der Könige war in der Regel von schwarzer Hautfarbe, weil die Hl. Drei Könige als Repräsentanten der damals bekannten drei Kontinente Asien, Afrika und Europa angesehen wurden. Wie auch als Vertreter der drei Lebensalter (Jugend, Lebensmitte, Greisenalter). Der erste ist der rote König (Melchior). Er bringt als Geschenk das rote Gold.- Gold als Symbol für Weisheit und Erkenntniskräfte. Der blaue König (Balthasar) bringt als Opfergabe Weihrauch als Symbol des Gebetes. Kaspar, der grüne König bringt Myrrhe, die für ihre Heilwirkung bekannt ist. Sie steht als Symbol für die Verbindung der Menschenseele mit dem Göttlich-Geistigen.

Die Kinder schlüpfen gerne in die Rollen der 3 Könige und der königlichen Maria. Sie spielen das Folgen des Sternes und stehen andächtig mit selbstgebastelter roter, grüner oder blauer Krone vor dem „mächtigsten Königs“.

Karneval / Winteraustreiben

 
 
Je nach Gegend wird Karneval unterschiedlich gefeiert und mit Bedeutung hinterlegt. Da wir gerne sinnvolle Traditionen aufgreifen, wird hier der rheinische Verkleidungskarneval mit den heidnischen Bräuchen des Winteraustreibens verbunden. Es beginnt in der Zeit ein Ringen der Sonnenkraft mit dem vergehenden Winter und so helfen wir beim Winteraustreiben mit lauten Schellen und Rasseln und Liedern, welche die Wintergeister aufschrecken.

.... nun treiben wir den Winter aus, den alten, kalten Krächzer, wir jagen ihn zum Land hinaus, den Grießgram, Brummbär, Ächzer, und laden uns den Frühling ein mit Blumen und mit Sonnenschein... „

Die Kirche hat die „Tollen Tage“ gerne moralisierend eingesetzt, und nutzte das zeitweise Ausleben von sinnlichen, „sündigen“ Gelüsten, als kontrolliertes Ventil, welches auf das strenge Fasten vor Ostern vorbereitete. Heute wird die Kostümierung gerne genutzt, um die Realität mal auf den Kopf zu stellen und in eine ganz andere Rolle zu schlüpfen.

Der Spaß am Verkleiden findet bei uns am Weiberdonnerstag auch seinen Platz. Das Verkleiden bleibt aber so zurückhaltend, dass die Kleinsten nicht verunsichert werden, weil sie das Vertraute nicht durcherkennen. Sie sind erst gerade am Beginn ihre ureigene Persönlichkeit auszubilden, so dass das Bedürfnis beschränkt ist, in eine andere Rolle zu schlüpfen.
 

Feste im Jahreslauf


Das Atmen der Erde drückt sich in den Jahreszeiten aus, in die sich in unseren Breitengraden auch den Reigen der christlichen Feste reiht. Und so erfahren die Kinder im Miterleben der Jahreszeiten und dem Feiern der christlichen Jahresfeste eine rhythmische Gliederung; das Alltägliche, Sicherheit verleihende wird freudig unterbrochen von den freudigen Ausnahmen des Feierns. Der christliche Hintergrund ist so verstanden, dass er in keiner Weise konfessionell gebunden ist und offen für Menschen aller Glaubensrichtungen, mit denen wir gerne in Austausch kommen.
 
 
 

Ostern

 
 
Die Feste Ostern, Himmelfahrt und Pfingsten bilden einen Reigen. Sie sind besonders an den Naturkreislauf gebunden, da doch der Ostersonntag sich bestimmt vom Frühlingsvollmond eines jeden Jahres. Sie finden in der Zeit statt, in der die Erde ausatmet, in der wir seelisch sehr nach außen gehen und so sind auch die Bilder, die bei den Festen zum Erleben kommen ganz davon geprägt.

Das Erscheinen des Christus in seinen Verwandlungen vom Menschen Jesu über den Auferstehungsleib und zur Erscheinung bei Himmelfahrt führt uns zu einem tieferen Verständnis Seines Da-Seins und Wirkens in der Welt für den Menschen.

Die Sonne ist ein Symbol für den Christus. Mit Ostern „siegt“ die Sonne über den Frühlingsvollmond und deutet auf die Überwindung des Todes durch Christus‘ Auferstehung. Wie so häufig werden Bilder aus vorchristlicher Zeit verwendet. Hier sind die Eier Symbole der Fruchtbarkeit und der kosmischen Einheit, welche von den Kindern selbstbemalt nach und nach an einen großen Strauß aus Zweigen gehängt werden. 40 Eier zeigen die 40 Tage an, die bis Himmelfahrt vergehen müssen.

Himmelfahrt

 
 
An Himmelfahrt wird der Blick in den Himmel zu den Wolken gelenkt; dies ist die Sphäre, in die Christus aufgefahren ist - „eine Wolke nahm Ihn vor ihren Augen fort“ Schöne Sinnbilder können den Kindern sein, die Pusteblume, die so aufrecht ihre Samen als Stiftekränzchen segelnd in die Welt verstreut, um sich zu vermehren; die Seifenblasen mit ihren überirdischen Farbenglanz, so vielgestaltig und „unfassbar“.

Pfingstfest

 
 
Weitere 10 Tage später wird das Pfingstfest gefeiert. „Fünfzig Tage nach dem Osterfeste waren die Jünger versammelt. In dem Zusammenklang ihrer Gedanken, dem Zusammenströmen ihrer Empfindungen und in den gemeinsam gepflegten religiösen Übungen ereignete sich die Begegnung mit dem Heiligen Geist.“ Es ist eine Gemeinschaft, die sich durch ein gemeinsames Erkenntnisbemühen – nicht durch Sympathie – zusammenfindet, welche die Herabkunft des Heiligen Geistes erfahren darf. „..und es erschienen ihnen Zungen zerteilt, wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeden von ihnen, und sie wurden alle erfüllt von dem heiligen Geist und fingen an, zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen.“

In der Feier werden als Bild für diese Geistesgemeinschaft auf einem runden Tisch so viele weiße Kerzen aufgestellt als Menschen zur Gruppe gehören; sie werden an einer mittigen Kerze entzündet, während man einen lieben Gedanken an einen Menschen schicken kann. Wenn alle Kerzen brennen, hören die Kinder ein passendes Märchen.

Immer wieder taucht die Taube als Sinnbild des Heiligen Geistes auf; wie bei Noah die Taube den Olivenzweig bringt als Zeichen des Friedens, ist sie an Pfingsten auch ein Zeichen für die Verbindung von Himmel und Erde. So werden in der Zeit zuvor viele weiße Täubchen gebastelt, die an einem Zweig „fliegend“ mit nach Hause genommen werden.

Johanni

 
 
Johanni Stimmung

Der Welten Schönheitsglanz,
Er zwinget mich aus Seelentiefen
Des Eigenlebens Götterkräfte
Zum Weltenfluge zu entbinden;
Mich selber zu verlassen,
Vertrauend nur mich suchend
In Weltenlicht und Weltenwärme.
- R. Steiner -


Dieses Fest ist entstanden aus der früheren germanischen Sommersonnwendfeier. Es ist der Sonnenhöhepunkt; Blüten, Bienen, Käfer und Schmetterlinge gibt es in Hülle und Fülle! Jetzt ist die elementarische Welt, die das Pflanzen¬wachstum trägt, am weitesten aus¬gebildet. Was in den physiologischen Prozessen der Pflanzen an Bildekräften wirkt, wurde von unseren Ahnen in Form von Naturgeistern (Undinen, Gnome u.a.) bildhaft wahr¬genommen. Kleine Kinder und besonders begabte Menschen nehmen diesen geistigen Teil der Natur auf diese Weise wahr.

Dieser Tag wurde und wird gerne mit einem lodernden Johannifeuer begangen, denn das Mitgehen des seelischen Erlebnisses mit der Natur ist auf einem Höhepunkt. Das Johannifest wird kurz nach der Sommersonnenwende am 24. Juni - auf den der Geburtstag des hl. Johannes gefeiert. Ein wesentliches Motiv seiner Predigten lautet: „Ändert Euren Sinn, bereitet dem Herrn den Weg!“ Er ist der Rufer, der zur Wendung aufruft. Das äußere, natürliche Wachstum nimmt schon wieder ab; diesem Bogen soll der Mensch aber nicht folgen; in seinem Inneren soll er den Christus wachsen lassen, so mahnt Johannes .

Mit den Kindern wird der sommerliche Höhepunkt zum Erlebnis gebracht mit den Schönheiten der Natur, die vor allem in den Liedern besungen werden ; von der „Vogelhochzeit“, dem „Muttergottesgläschen“ und den „Sonnenkäfern“ erzählen diese.
Am Festtag werden Blumenkränze gebunden und über einem Feuer Stockbrot gebacken. Als Speisen stehen auf den Tischen neben unserem selbstgebackenen Sonnwendbrot der Honig, von dem sich auch Johannes in der Wüste ernährte, neben den leuchtend rote Beeren dieser Jahreszeit. Im Garten wird gesungen, getanzt und gespielt.

Michaelifest

 
 
Seit dem 9. Jahrhundert wird am 29. September in christlichen Gegenden der Michaelstag gefeiert, gefolgt von einer vierwöchigen Festeszeit. Michaeli ist ein Fest, welches bildhaft für Geisteswachheit und Mut steht.

Zum Herbstbeginn, nach der Tag- und Nachtgleiche, feiern wir das Michaelifest mit den Kindern, um ihnen Jahr für Jahr starke aufbauende Bilder mitzugeben für die Herausforderungen heutigen Zeit, die insgesamt ganz im Zeichen des michaelischen Geisteskampfes steht, den wir Erwachsene alle zutiefst erleben. In der Offenbarung des Johannes wird der Streit im Himmel beschreiben, bei dem Sankt Michael mit seinen Heerscharen „… den Drachen, die alte Schlange, die da heißt Teufel und Satan, der die Welt verführt ..“ aus dem Himmel in die Tiefe stürzt. Fortan findet das Wirken der Widersachermächte auf der Erde unter uns Menschen statt, und der Mensch muss nun diesen Kampf im Inneren ausfechten.

Das Bild von Erzengel Michael, der den Drachen besiegt, ist in vielfältiger Weise in der Malerei dargestellt. Der Kampf steht für die Kraft und den Seelenmut, der aufgebracht werden muss, um niederziehende Kräfte wie Feigheit, Egoismus und Unwahrhaftigkeit in ihre Schranken zu weisen. Es zeigt, wie Michael den Drachen „unter seinen Fuß gesetzt“ , aber ihn nicht tötet. Der Sieg ist kein endgültiger, sondern ist ein ständiges Ringen um einen bewussten Umgang mit den Verführungen der Zeit.

Auch das Schwert ist oft in Bildern zu sehen, denn im Moment der Tat braucht es das Schwert, das geistesgegenwärtig das Richtige vom Falschen scheidet. Für die Erwachsenen sind dies Bilder, die aufrufen die niederziehenden Kräfte zu erkennen und in ihre Schranken zu verweisen, sich innerlich zu ordnen, zu klären, die eigenen Ängste und die innere Bequemlichkeit zu bekämpfen und sich etwas zuzumuten.

Die Kinder singen Lieder von Mut und Stärke und sehen das Puppenspiel vom Stierlein, das die Prinzessin erlöst mit Mut, Kraft und Entschiedenheit. Auch der Schmied, der rotglühendes Eisen (im Blut ein wichtiger Träger von Wachheit und Kraft) mit entschiedenen Schlägen zu Schwertern formt, ist ein beliebtes Bild in Liedern und die Kinder bauen sich selber gerne Schwerter in verschiedenen Varianten.

Martinsfest

 
 
„Werden die Tage kurz, werden die Herzen hell…“ heißt ein Spruch, der das Schwinden des äußeren Lichts in eine Beziehung setzt zu dem seelischen Prozess, der sich nun entwickelt. Die längere Dunkelheit fordert uns auf wieder mehr im Inneren das Licht zu suchen. Den schönen Brauch des Laternenfests am Martinstag pflegen wir gerne, indem die Kinder ihr selbstgebasteltes kleines Laternenlicht singend durch das erste Dunkel tragen. In der Martinslegende treten die Motive des Mitgefühls, der Nächstenliebe und des Teilens auf, die wir auch in dem Puppenspiel „Laternenmädchen“ zur Darstellung bringen, was den Kindern an diesem Tag vom Puppenspielkreis geboten wird.

Adventszeit

 
 
Die Kerzen von denen die erste schon in der Martinslaterne entzündet wurde, spielen eine immer größere Rolle in der Adventzeit bis hin zu Weihnachten. Den Beginn der Adventszeit feiern wir mit dem Begehen des Adventgärtlein.

In unserem Saal wird eine Spirale aus Tannengrün, Moos, Edelsteinen, Rosen und Christrosen gelegt. Darin verteilt steht für jedes Kind ein Apfel, in dem eine Kerze steckt. Die Kinder ziehen gemeinsam mit den ErzieherInnen singend in den Raum ein. Eine Kerze in der Mitte des Raumes spendet etwas Licht. Während Adventlieder gesungen werden und Harfenmusik erklingt, geht jedes alleine in die Spirale hinein, nimmt sich eine Apfelkerze, zündet sie an der großen Kerze in der Mitte an und geht seinen Weg - in dieser musikalischen Stille – wieder hinaus; zuvor stellt es die Kerze wieder auf ihren Platz zurück und so erhellt und erwärmt sich nach und nach der Raum, mit jeder entzündeten Kerze mehr. Das Begehen der Spirale ist uns ein Wahrbild für das Suchen des Lichtes auf dem Lebensweg, das Finden des Lichts im eigenen Innern und endlich auch des Abgebens des Lichtes, wenn es den ganzen Raum für Alle erhellt.

Dies ist im Kindergarten der Beginn der Adventszeit, die wir versuchen mit viel Ruhe und Besinnlichkeit zu gestalten. Das ist heute umso wichtiger, als dass diese Zeit durch das Getriebe der Geschenkeindustrie den Charakter einer Vorbereitung auf Weihnachten verliert.

Im Gruppenraum sehen die Kinder Maria, Josef und das Eselchen, wie sie einen langen gewundenen Weg zur Krippe gehen. Täglich kommen sie ein Stück voran. Nach der täglichen Geschichte dazu darf je ein Kind die Figuren etwas mehr zur Krippe hinstellen.

In diese Zeit fällt das Nikolausfest, dessen Tradition wir aufgreifen mit dem Bild des hl. Nikolaus, der den Kindern kleine Gaben bringt. In den Legenden wird deutlich, dass Nikolaus den notleidenden Menschen unverhofft und aus dem Verborgenen heraus hilft. Über Nacht kommt er, bringt den „zugebundenen“ Sack oder die Gaben sind in den Schuhen der Kinder morgens zu finden; Schuhe als Sinnbild für den physischen ganz individuellen Lebensweg. Sankt Nikolaus stärkt Leib und Seele mit Äpfeln, Nüssen und der Saat für den Osterweizen einerseits und ein kleines Geschenk zum Spielen andererseits.

Weihnachten

 
 
Das Weihnachtsfest selber fällt immer in die längere Winterschließzeit und bleibt ganz den Familien überlassen. Auch die kleine Abschlussfeier kurz vor den Weihnachtstagen verbleibt noch mehr im Charakter der Vorbereitung. Das Backen von Weihnachtsplätzchen und das Ziehen von Bienenwachskerzen verbreitet erst den Geschmack und Geruch von Weihnachten. Mit der Zeit kann im täglichen Reigen aber ein Krippenspiel entstehen, das am letzten Kindergartentag gerne aufgeführt wird.

Drei-Königsfest

 
 
Nachdem das Bild der Hirtenkrippe in den Weihnachtstagen vor der Seele gestanden hat, wird den Kindern im Kindergarten zum Dreikönigstag ergänzend eine weiteres geboten; sie finden eine sehr veränderte Krippe vor. Während die Hirten das physische Jesuskindlein wahrgenommen haben, deutet das veränderte Krippenbild aus dem Matthäusevangelium eine andere Art der Wahrnehmung an. Es müssen drei Eingeweihte gewesen sein, die über jede räumliche Entfernung hinweg eine große Seele wahrnehmen – im Bild eines Sternes - und dieser Offenbarung folgen. In vielen Gegenden und Religionen ist dieser Tag der wichtigste des Jahres. Die Epiphanie (Erscheinung) ist eine, die über Jesus hinaus, den Christus und seine Wiederkunft in der Zukunft schon vorwegnimmt.

Diese Weisen aus dem Morgenland wurden seit dem 3.Jahrhundert als Könige bezeichnet und erhielten im 6.Jahrhundert erstmals ihre Namen. Einer der Könige war in der Regel von schwarzer Hautfarbe, weil die Hl. Drei Könige als Repräsentanten der damals bekannten drei Kontinente Asien, Afrika und Europa angesehen wurden. Wie auch als Vertreter der drei Lebensalter (Jugend, Lebensmitte, Greisenalter). Der erste ist der rote König (Melchior). Er bringt als Geschenk das rote Gold.- Gold als Symbol für Weisheit und Erkenntniskräfte. Der blaue König (Balthasar) bringt als Opfergabe Weihrauch als Symbol des Gebetes. Kaspar, der grüne König bringt Myrrhe, die für ihre Heilwirkung bekannt ist. Sie steht als Symbol für die Verbindung der Menschenseele mit dem Göttlich-Geistigen.

Die Kinder schlüpfen gerne in die Rollen der 3 Könige und der königlichen Maria. Sie spielen das Folgen des Sternes und stehen andächtig mit selbstgebastelter roter, grüner oder blauer Krone vor dem „mächtigsten Königs“.

Karneval / Winteraustreiben

 
 
Je nach Gegend wird Karneval unterschiedlich gefeiert und mit Bedeutung hinterlegt. Da wir gerne sinnvolle Traditionen aufgreifen, wird hier der rheinische Verkleidungskarneval mit den heidnischen Bräuchen des Winteraustreibens verbunden. Es beginnt in der Zeit ein Ringen der Sonnenkraft mit dem vergehenden Winter und so helfen wir beim Winteraustreiben mit lauten Schellen und Rasseln und Liedern, welche die Wintergeister aufschrecken.

.... nun treiben wir den Winter aus, den alten, kalten Krächzer, wir jagen ihn zum Land hinaus, den Grießgram, Brummbär, Ächzer, und laden uns den Frühling ein mit Blumen und mit Sonnenschein... „

Die Kirche hat die „Tollen Tage“ gerne moralisierend eingesetzt, und nutzte das zeitweise Ausleben von sinnlichen, „sündigen“ Gelüsten, als kontrolliertes Ventil, welches auf das strenge Fasten vor Ostern vorbereitete. Heute wird die Kostümierung gerne genutzt, um die Realität mal auf den Kopf zu stellen und in eine ganz andere Rolle zu schlüpfen.

Der Spaß am Verkleiden findet bei uns am Weiberdonnerstag auch seinen Platz. Das Verkleiden bleibt aber so zurückhaltend, dass die Kleinsten nicht verunsichert werden, weil sie das Vertraute nicht durcherkennen. Sie sind erst gerade am Beginn ihre ureigene Persönlichkeit auszubilden, so dass das Bedürfnis beschränkt ist, in eine andere Rolle zu schlüpfen.